Aus Kettwig stammt dieses Gedicht über die neue Siedlung im Hummelshagen.

Am 20. Juli 1937 ist dieses Gedicht von Ernst Eumann in der Kettwiger Zeitung erschienen. Im Hummelshagen ist zu dieser Zeit eine neue Siedlung entstanden. In diesem Bereich „an Mühlendycks Gründen“ wurde zuvor karge Landwirtschaft betrieben. Die großen Neubauvorhaben der damaligen Zeit erschien den Zeitgenossen als besonders modern und fortschrittlich. Den Unterschied zur vorherigen, alten Zeit hebt auch Ernst Eumann hervor.

Derzeit wird Kettwig erneut von zahlreichen Neubauten geprägt, die sich auf ehemalige Industriefläche erstrecken. Zur Entstehungszeit des Gedichtes war Kettwig stark von der Textilindustrie geprägt. Viele Einwohner waren bei Betrieben wie Scheidt, Thanscheidt und Klein-Schlatter beschäftigt, die für besonders feine und hochwertige Stoffe standen. Nachdem diese Firmen im Laufe der 1970er Jahre geschlossen wurden, verschwanden in den letzten Jahren auch die meisten Industriegebäude aus dem Kettwiger Stadtbild.

Das Gedicht wurde von Günter Voss, Vorsitzender des Kettwiger Museums- und Geschichtsfreunde e. V. digitalisiert. Ich bedanke mich herzlich für die freundliche Zusammenarbeit und dafür, dass der Text an dieser Stelle erscheinen kann.

Damit Sie dieses Gedicht bestmöglich verstehen können, finden Sie rechts neben dem Text in Mundart die hochdeutsche Übertragung. Dieses Gedicht können Sie sich auch anhören. Eingesprochen wurde das Gedicht von Marc Real.

Hummelshagen

En Kettwig wett jez völl gebaut,
Man süht et Dag vöa Dag;
Wohen man kickt, wohen man schaut,
Et geiht jez Schlag op Schlag.
Öf hoach om Berg, öf deep em Daal,
Man nötzt jez alles uht;
Us Kettwig mackt sich tollassal,
Wie sind jez fein herut.
We dach an Möhlendycks Gröng,
Dat do es en Siedlung stöng?
In Kettwig wird jetzt viel gebaut,
Man sieht es Tag für Tag;
Wohin man sieht, wohin man schaut,
Es geht jetzt Schlag auf Schlag.
Ob hoch auf dem Berg, ob tief im Tal,
Man nützt jetzt alles aus:
Unser Kettwig macht sich kolossal,
Wir sind jetzt fein heraus.
Wer dachte, an Mühlendycks Gründen,
dass dort mal eine Siedlung stünde?
Em Hummelshagen en Siedlung steiht,
Klein Hüskes, witt und schwatt;
Wenn man jez et omends spazieren geiht,
Bliev stohn, bekiek di dat.
De Siedler, de steiht enne Hemdesmau
Em Gaden, anne Strot,
Bekickt sich met sin Siedlerfrau
Et Koahlmos on de Schlot.
Im Hummelshagen eine Siedlung steht,
kleine Häuschen, weiß und schwarz;
Wenn man jetzt des Abends spazieren geht,
Bleib stehen, Besieh dir das,
Der Siedler, der steht in den Hemdsärmeln,
Im Garten, an der Straße,
Besieht sich mit seiner Siedlerfrau
Den Grünkohl und den Salat.
De Hummelshagen es jez prat,
Wie soag et vöaher ut,
Stets stongen Lüt bös omends lat,
Die hadden watt an de Schnut.
Dem einen woa dat Hus te klein,
Dem angeren et Langk te schlech;
Soa woaren die Kloken do am schrei’n,
Denn keinem geng et reech.
Jez können se eß kieken goon,
De Siedlung hant wie stohn.
Der Hummelshagen ist jetzt bereit,
Wie sah es vorher aus,
Stets standen Leute bis abends spät,
Die hatten was im Mund,
Dem einen war das Haus zu klein,
Dem Anderen das Land zu schlecht;
So waren die Klugen dort am Schreien,
Denn keinem ging es recht.
Jetzt können sie mal nachsehen gehen,
Die Siedlung haben wir stehen.
Em Hummelshagen en Siedlung steiht,
Klein Hüskes, witt und schwatt;
Wenn man jez et omends spazieren geiht,
Bliev stohn, bekiek di dat.
De Siedler, de steiht enne Hemdesmau
Em Gaden, anne Strot,
Bekickt sich met sin Siedlerfrau
Et Koahlmos on de Schlot.
Im Hummelshagen eine Siedlung steht,
kleine Häuschen, weiß und schwarz;
Wenn man jetzt des Abends spazieren geht,
Bleib stehen, Besieh dir das,
Der Siedler, der steht in den Hemdsärmeln,
Im Garten, an der Straße,
Besieht sich mit seiner Siedlerfrau
Den Grünkohl und den Salat.
Em Hummelshagen, öwer et Jahr,
Do mödde we es kieken gohn,
Do süht man en de Gadesfoa
De dickste Kappes stohn.
On Hönner stats, on Ferkes fett,
Die wedden dann geschlachd.
De Siedler freut sich dann, ek wett:
Do hätte nee dran gedachd.
On alles strahlt vöa Glöck,
On sengt sich dann en Stöck:
Im Hummelshagen, über das Jahr,
Da müssen wir mal schauen gehen,
Da sieht man im Vorgarten
Den größten Kohlkopf stehen.
Und prächtige Hühner, und Ferkel fett,
Die werden dann geschlachtet.
Die Siedler freuen sich dann, ich weiß:
Daran hätten sie nie gedacht.
Und alles strahlt vor Glück,
Und singt sich dann ein Stück:
Em Hummelshagen en Siedlung steiht,
Klein Hüskes, witt und schwatt;
Wenn man jez et omends spazieren geiht,
Bliev stohn, bekiek di dat.
De Siedler, de steiht enne Hemdesmau
Em Gaden, anne Strot,
Bekickt sich met sin Siedlerfrau
Et Koahlmos on de Schlot.
Im Hummelshagen eine Siedlung steht,
kleine Häuschen, weiß und schwarz;
Wenn man jetzt des Abends spazieren geht,
Bleib stehen, Besieh dir das,
Der Siedler, der steht in den Hemdsärmeln,
Im Garten, an der Straße,
Besieht sich mit seiner Siedlerfrau
Den Grünkohl und den Salat.

aus der Kettwiger Zeitung vom 20.07.1937, erschienen im Verlag von Friedrich Flothmann zu Kettwig

Originaltext in Kettwiger Mundart, übertragen ins Hochdeutsche von Marc Real


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