Aus Elberfeld stammt dieses Gespräch zweier Alteingesessener über das neueste technische Wunderwerk der Zeit – die Eisenbahn nach Düsseldorf.

Im Jahre 1854 wurde diese Erzählung vom Kölner Sprachforscher Johann Matthias Firmenich-Richartz als Beispiel für die in Elberfeld gesprochene Mundart in die umfangreiche Sammlung deutscher Dialekte „Germaniens Völkerstimmen“ aufgenommen.

Damit Sie dieses Gespräch bestmöglich verstehen können, finden Sie rechts neben dem Text in Mundart die hochdeutsche Übertragung.

Gespräch zwischen zwei alten Elberfeldern

A: „Gooden Dag, Kompier! Wie geht et äu?“A: „Guten Tag, mein Freund! Wie geht es Euch?“
B: „Och, et hoddelt noch alt soa.“B: „Och, ich schlage mich noch durch.“
A: „Nu säit meck ens, Kompier, häff I ook alt de Isenbahn gesenn? Wat säi I dovan?“A: „Nun sagt mir mal, mein Freund, habt Ihr auch schon die Eisenbahn gesehen? Was sagt Ihr davon?“
B: „Wat sall eck dovan säien, Kompier, dat es meck en Wongerdengen; wenn eck et nit selwer gesenn hätt, so gläut eck nit, wat de Lüüt dervan säien, dann me sall jo met dem isernen Päd, wat se „Locomotiv“ hetten, noch nit emol en Stond bruuken, öm no Düsseldorp te koamen.B: „Was soll ich davon halten, Kollege, das ist für mich ein Wunderding; wenn ich es nicht selbst gesehen hätte, so glaubte ich nicht, was die Leute darüber sagen, denn man soll ja mit dem eisernen Pferd, was sie „Lokomotive“ nennen, noch nicht einmal eine Stunde brauchen, um nach Düsseldorf zu kommen.
A: „Jo, Kompier, dat es en der Doot soa, denn eck mott äu säien, dat meck de Neugier ook verlett heet, ens en Rötsch no Düsseldorp te maaken; et geht so grasch wie der Bletz, on et göft en Spektakel, dat me meint, Höaren und Sen vergeng eem dobi: wamme för use Äulen gesäit hätt, dat me noch ens dörch Damp song Denger uutreiten wöard, äs me jetz höart on süht, se hädden de Häng boower dem Kopp tesaamen geschlagen on gesäit: Jonges, sind get am Dollwären?“A: „Ja, mein Freund, das ist in der Tat so, denn ich muss auch sagen, dass mich die Neugier auch verleitet hat, auch eine Fahrt nach Düsseldorf zu machen; das geht so schnell wie der Blitz, und es gibt ein Spektakel, dass man meint, Hören und Sehen vergingen einem dabei: wenn man zu unseren Alten gesagt hätte, dass man einmal nur durch Dampf solche Dinge ausrichten würde, wie man jetzt hört und sieht, sie hätten die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und gesagt: Jungens, seid ihr am Durchdrehen?“
B: „Jo, dat es wohr; äwwer eck glöf, dat fi Elberfäiler den Kopp en‘t Look haulen mötten, denn de Düsseldorper hant doch keen Gäild, öm de Isenbahn te ongerhaulen; die Actionnärsch dat sind de Felschärsch, die schlont us de Ooder, on de düsseldorper Weath haulen den Teller op.“B: „Ja, das ist wahr; aber ich glaube, dass wir Elberfelder gut aufpassen müssen, denn die Düsseldorfer haben doch kein Geld, um die Eisenbahn zu unterhalten; die Teilhaber sind die Wundärzte, die lassen uns zur Ader, und die Düsseldorfer Wirte halten den Teller auf.“
A: „Jo, on dat es noch nit Alles; wie geht et den armen Fuhrlüüden on Hauderersch? Wovan söllen die am Eng leewen, wenn se nicks mear te donn hant? On dobi säien boowendren alt wear angere Lüüt, dat es nit lang duuren säul, dann stöngen de Dampscheppe stell on de Isenbahnen wören verrostet, denn dann führ me dörch de Laut met dem Wenk, on spannden de Wallfesche vör de Scheppe, on jagden domet dörch die Sea.“A: „Ja, und das ist noch nicht alles; wie geht es den armen Fuhrleuten und Mietkutschern? Wovon sollen die am Ende leben, wenn sie nichts mehr zu tun haben? Und dabei sagen obendrein schon wieder andere Leute, dass es nicht lange dauern soll, dann stünden die Dampfschiffe still und die Eisenbahnen wären verrostet, denn dann führe man durch die Luft mit dem Wind und man spannte die Walfische vor die Schiffe und jagte sie damit durch das Meer.“
B: „Ne, ne, Kompier, nu hault stell, dat es meck tu arg! Godde Näit, Kompier, bes op en angermol!“B: „Ne, ne, mein Freund, jetzt halt still, das ist mir zu viel! Gute Nacht, Kollege, bis auf ein andermal!“
A: „Gliekfalls, – Gott befohlen!“A: „Gleichfalls, – so Gott will!“

aus: „Germaniens Völkerstimmen, Sammlung der deutschen Mundarten in Dichtungen, Sagen, Märchen, Volksliedern“ von Johannes Matthias Firmenich-Richartz, Erster Band, erschienen 1854 in der Schlesinger’schen Buch- und Musikhandlung zu Berlin, Seite 429

Originaltext in Elberfelder Mundart, übertragen ins Hochdeutsche von Marc Real


1 Kommentar

Björn · 28. Januar 2020 um 16:54

Hat mir sehr gefallen, auch ohne Übersetzung gut zu verstehen. Mich freut es, dass ich mit meinen jungen 15 Jahren hier die Möglichkeit habe ein wenig Platt zu lernen. Mina Knallenfalls wäre auch eine Übersetzung wert.

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