Aus Saarn stammt das Gespräch zweier Einwohner, wie es vor mehr als 100 Jahren am Ort geführt wurde.

Es wurde im Werk „Saarn – mein liebes Dorf“ von Otto Kiy erstmals veröffentlicht.

In neuerer Zeit wurde sie als Beispiel für Ssaansch Platt von dem Mülheimer Autor Franz Firla in sein Buch „RuSaKeWe“ aufgenommen. „RuSaKeWe“ ist im Jahre 2008 erschienen und befasst sich mit den Mundarten des unteren Ruhrtals zwischen Ruhrort und Werden. Der Name des Buches leitet sich aus den Ortschaften Ruhrort, Saarn, Kettwig und Werden ab und präsentiert neben mundartlichen Texten auch Hintergrundwissen und ein kleines Platt-Wörterbuch. An dieser Stelle möchte ich Herrn Firla für die freundliche Unterstützung dieser Seite herzlich danken.

In seinem Begleittext zur Geschichte schreibt Franz Firla über den Autor: „Otto Kiy wurde 1899 am Saarnberg geboren und hat sein Leben in Saarn verbracht. Er lernte Kesselschmied in der Königlich-Preußischen Eisenbahnwerkstatt in Speldorf, und durch persönliche Weiterbildung wurde er schließlich Inspektor. Im Ruhestand widmete er sich der Heimatforschung und verfasste mehrere Schriften, von denen besonders „Saarn – mein liebes Dorf“ und „Die alten Saarner und ihre Sprache“ hervorzuheben sind. Die Pflege der Saarner Mundart war ihm eine stetes Anliegen.“ Im Jahr 1981 ist Otto Kiy verstorben.

Damit Sie dieses Gespräch bestmöglich verstehen können, finden Sie rechts neben dem Text in Mundart die hochdeutsche Übertragung. Zur besseren Lesbarkeit wurde der scharfe Anlaut „ß“ am Wortanfang durch die Schreibweise „ss“ ersetzt.

Gespräch zweier Saarner

Hennes: „Chon Daag Kaal!“Hans: „Guten Tag, Karl!“
Kaal: „Hennes, chon Daag ouk. Wo kömms du dann van dänn?“Karl: „Hans, schönen Tag auch. Wo kommst du denn her?“
Hennes: „Ek wuo be-i dä ru-e Mattes, wat bestelle. Nou mot ek nooch dä Platekooke aafhoole on dann no he-im, eete, min Kattrin het Hammeleck gekock.“Hans: „Ich war bei dem roten Matthias, etwas bestellen. Nun muss ich noch den Blechkuchen abholen und dann nach Hause, essen, meine Kathrin hat Kartoffelsuppe gekocht.“
Kaal: „Nää, be-i us chew et Schniedeskuraj, on dann well min Anneke Buleböüskes backe. Ssäg Kaal, din Dochter Mienche, dat es jo en staatse Dian, het die noch ke-ine Fre-ier?“Karl: „Ach, bei uns gibt es Möhrendurcheinander mit Bohnen und dann will meine Anne Krapfen backen. Sag Karl, deine Tochter Wilhelmine, das ist ja ein prächtiges Mädchen, hat sie noch keinen Verehrer?“
Hennes: „Nää, do wua jo wahl dä duaßechtige Wemm vam Hönnerberg drachterher, we-is de, dä Jong van Pröümkes-Hermann. Äwer ek hew üa geßag: Dian, lot din Fenger van dä lange Lappes, dä es jo sso mager, wenn däm die Huut platz, dann legge de Knööke op de Stroote. Dä Kääl het jo neemols es gedeent. Be-i däm kömms de vüa de Höün. Ek hew geßag: Dian, bliew merr noch en betsche be-i Moder on Vader. Äwer die Dian ssag: Du kas me-i bekratz wääde, ek ssall wahl en leewe Jong fe-ine, e-ine, dä me-i ke-in Fiskesmiaskes mak. On domet het sse jo wahl räch, off wahl, off nee?“Hans: „Ja, es war wohl der windige Wilhelm vom Hühnerberg hinter ihr her, weißt du, der Sohn von Pflaumen-Hermann. Aber ich habe ihr gesagt: Mädchen, lass deine Finger von diesem langen Lumpen, der ist ja so mager, wenn dem die Haut platzt, dann liegen die Knochen auf der Straße. Der Kerl hat ja nicht einmal gedient. Bei dem kommst du vor die Hunde. Ich habe gesagt: Mädchen, bleib lieber noch ein bisschen bei Mutter und Vater. Aber das Mädchen sagte: Du kannst mich mal, ich werde schon einen lieben Mann finden, einen, der mir keine Umstände macht. Und damit hat sie ja doch recht, oder doch, oder nicht?“
Kaal: „Gemecklich, Hennes, wenn dat ssua es. Wä well dann ssonne onösele Kääl häwwe?“Karl: „Immer mit der Ruhe, Hans, wenn das so ist. Wer will denn so einen ekelhaften Kerl haben?“
Hennes: „Äwer ssäg Kaal, wie ssüt et dann em Chade ut? Be-i me-i komme de Piaskes on Prume on ouk de Knuaschele chanz chott, dat andere es äwer charnee sso bensig.“Hans: „Aber sag, Karl, wie sieht es denn im Garten aus? Bei mir kommen die Pfirsiche und Pflaumen und auch die Stachelbeeren ganz gut, alles andere ist aber noch nicht so weit.“
Kaal: “Jo, dat stemmp, be-i me-i ouk. Wat chott wäß, dat es Kappes, on Schaffou on Koual. Ouk de Wottele chont nooch. De Ärpele hewwe jo nee sson chruate Strüüker, äwer dat ssall wahl noch komme. Ssua, nou mot ek äwer chone. Boll hät ek noch de Plaatekooke vercheete. Man wäd äwer ouk so verchettßam.
Nou Hennes, bös morge.”
Karl: „Ja, das stimmt, bei mir auch. Was gut wächst, das sind Weißkohl und Wirsing und Steckrüben. Auch die Möhren kommen noch. Die Kartoffeln haben ja noch keine so großen Sträucher, aber das wird wohl noch kommen. So, jetzt muss ich aber gehen. Fast hätte ich noch den Blechkuchen vergessen. Man wird aber auch so vergesslich. Dann Hans, bis morgen.“
Hennes: „Jo Kaal, chrüß din Anneke met.“Hans: „Ja, Karl, grüß mir auch deine Anne.“

aus: „RuSaKeWe, Alte und neue Texte in den Mundarten der unteren Ruhr bei Ruhrort, Saarn, Kettwig und Werden“ von Franz Firla, erschienen 2008 in der Buchhandlung Hilberath & Lange zu Mülheim an der Ruhr, Seiten 53 und 54, erstmals veröffentlicht in „Saarn – mein liebes Dorf“ von Otto Kiy, erschienen im Selbstverlage des Autors zu Mülheim an der Ruhr-Saarn.

Originaltext in Saarner Mundart, übertragen ins Hochdeutsche von Marc Real


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