Ferkellied


Ursprünglich aus Mülheim an der Ruhr stammt dieses Lied über die kulinarischen Vorzüge eines Ferkels. Diese Fassung wurde von Walter Ferschen, früher Baas des Saarner Stammtisches „Aul Ssaan“, im Jahre 2003 in Saarner Mundart übertagen.

Das Gedicht wurde von dem bedeutendsten Dichter in Mölmsch Platt, Gerhard August Hardering verfasst. Sein erster Vorname, Gerhard, lautet auf Mölmsch „Chird“, ein Name, unter dem er seine mundartlichen Werke veröffentlichte. Das bekannteste Werk von Chird Hardering, der 1892 geboren wurde, ist der Gedichtband „Innich, Ssinnich, Finnich“ von 1954. Im Jahre 1967 starb der Autor in seiner Heimatstadt Mülheim an der Ruhr.

Vertont wurde Harderings Text im Jahre 2003 von Franz Firla, der sich in seiner Wahlheimat Mülheim an der Ruhr für den Erhalt und die Pflege der Mundart einsetzt. Von ihm stammen auch das gezeigte Notenblatt und die Aufnahme des Liedes, die er hier freundlich zur Verfügung gestellt hat.

Zur Übertragung des Originaltextes von Chird Hardering schreibt er: „Der Text wurde von unserem ehemaligen Baas Walter Ferschen etwa 2002 in die in Saarn übliche Schreibweise übertragen, die u. a. alle „ü“ und „ö“ transformiert, da der Sprachklang in Saarn schon bergischer ist, aber bei den Wörtern kaum Unterschiede bestehen. Musikalisch lässt sich das so ausdrücken: Wir Mölmsche singen alle denselben Text und dieselbe Melodie, nur die Klangfarbe ist etwas verändert!“

Damit Sie dieses Lied bestmöglich verstehen können, finden Sie rechts neben dem Text in Mundart die hochdeutsche Übertragung.

Färkesleed

1. Soan Stückske vanne Färkesfutt
ös waal en herrlich Saake.
Of weik chekook, of bruun chebroot,
wäm sall dat wall nee schmacke?
Heet me soam Pückske sälws chefuurt,
bös dat et kugelround,
dann weech et boll,
so lang et duurt
dreihounentfiiftich Pount.
1. So ein Stück vom Ferkelpo,
ist eine herrliche Sache.
Ob weich gekocht, ob braun gebraten,
wem wird das nicht gut schmecken?
Hat man so ein Stückchen selbst gefüttert,
bis dass es kugelrund,
dann wiegt es bald,
so lang es dauert,
dreihundertfünfzig Pfund.
2. Dann kriich et eine vöar dä Kopp,
Wat sall me länger wachte?
Dä „Karo einfach“ höart nou op,
me bruck nee meahr te schmachte.
Wat sall die Bloot- und Leewerwoos
dann wiier eas prächtich schmaake?
Nömms dou op Mettwoos die en Lot,
kaas dou se döchtich raake.
2. Dann kriegt es einen vor den Kopf.
Was soll man länger warten?
Die Fastenzeit, sie hört nun auf,
man braucht nicht länger hungern.
Was wird die Blut- und Leberwurst,
dann erst so prächtig schmecken?
Nimmst du die Mettwurst dir im Bund,
kannst du sie tüchtig packen.
3. Mär, ouk däm Pannhas ös nee schlääch,
me sall öm nee vercheete.
Däm Pannhas ös,
nee meahr ees Rääch waal ees en läcker Eete. Nou leew wei wieer pännekesfett,
wäm sall dat nee chefalle.
Em Puck, dat me am Balken heet,
ös beeter ees im Stalle.
3. Doch, auch der Panhas ist nicht schlecht,
man darf ihn nicht vergessen.
Der Panhas ist, so viel ist recht,
auch ein sehr leckres Essen.
Nun leben wir im Überfluss,
wem wird das nicht gefallen?
Ein Bauch, den man am Balken hat,
ist besser als im Stalle.
Notenblatt für das Färkesleed

Dieser Text wurde freundlicherweise von Herrn Franz Firla aus Mülheim an der Ruhr zur Verfügung gestellt.

Originaltext in Saarner Mundart, übertragen ins Hochdeutsche von Marc Real


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