Op däm Burenhoff

Auf dem Bauernhof


Aus Ohligs berichtet uns diese Geschichte von einem Nachmittag auf dem Bauernhof.

Im Jahre 1930 wurde dieser Text in das Buch „Mundart und Schule im niederfränkischen Sprachgebiete Deutschlands“ aufgenommen und dient als Beispiel für das Ohligser Platt.

Geschrieben wurde diese Geschichte vom Ohligser Schüler Heinz Lind am Anfang des 20. Jahrhunderts. In einigen Schulen der preußischen Rheinprovinz wurde es guten Schülern gestattet, auch mundartliche Aufsätze zu verfassen.

Dazu führen die Autoren Paffen und Veumann aus: „Wir haben Dialektaufsätze im 8. Schuljahr stets nur als Belohnung tüchtigen und strebsamen Schülern gestattet, selbstverständlich nur solchen, die in der hochdeutschen Rechtschreibung so sicher und sattelfest geworden waren, daß sie nicht viel mehr zu gewinnen und vor allem – und das ist ja der von Gegnern angeführte Hauptgrund gegen das Schreibenlassen von mundartlichen Stoffen – nichts zu verlieren hatten. […] Nie war die Freude größer, und nie haben solche Schüler lieber ihre Hausaufgaben angefertigt, als gerade dann, wenn ein mundartliches Thema nach freier Wahl zur schriftlichen Bearbeitung anheimgestellt wurde.“

Damit Sie diese Erzählung bestmöglich verstehen können, finden Sie rechts neben dem Text in Mundart die hochdeutsche Übertragung.

Op däm Burenhoff

Wenn ech dös Meddags ut der Schul kohm, mott ech no Hackes de Melch holen. Do bliew ech döckes stonn on besenn m‘r dat Lewen on Driewen op d‘m Burenhoff. Öwerall krosen de Höhner em Dreck eröm, öm Foder to söken. Angere lejen an ’ner sonnijen Platze on säuberen ehr Jefieder. Do flücht de Stoff hu op. De Hahn steht op däm huhen Mesthoupen on kräht. De Jeusen on Enten stonnt eröm on putzen ehr Federn. Subaul ech mech ennen nöher, wackeln se schnadernd däm Diek to. Do loten se sech klatschend ent Water fallen on schwemmen en Stöck van Lank aff. Wenn ich diesen Mittag aus der Schule komme, muss ich zu Hackes, um Milch zu holen. Dort bleibe ich häufig stehen und besehe mir das Leben und Treiben auf dem Bauernhof. Überall streichen die Hühner im Dreck herum, um Futter zu suchen. Andere liegen an einem sonnigen Platz und säubern ihr Gefieder. Da fliegen die Federn hoch in die Luft. Der Hahn steht auf dem hohen Misthaufen und kräht. Die Gänse und Enten stehen herum und putzen ihre Federn. Sobald ich mich ihnen nähere, wackeln sie schnatternd auf den Deich zu. Dort lassen sie sich klatschend ins Wasser fallen und schwimmen ein Stück vom Land weg.
Ouch en jrute Schar Duwen es op däm Hoff. En däm jruten loftigen Stall stonnt de Köh. Jede hädd ehren eijenen Namen, on öwer ehrem Foderkasten hängt ’n Tafel met ehrem Namen. Morjes, meddags on owes werden de Köh jemolken. Do hann ech döckes tojesenn. Em Ogenbleck es dann en Döppen met d‘r schümmenden Melch voll. Wenn ech dann en Tietlang togesenn hann, mak ech mech sier op den Heimwech.Auch eine große Schar Tauben ist auf dem Hof. In dem großen luftigen Stall stehen die Kühe. Jede hat ihren eigenen Namen und über ihrem Futterkasten hängt eine Tafel mit ihrem Namen. Morgens, mittags und abends werden die Kühe gemolken. Da habe ich oft zugesehen. Im Augenblick ist dann ein Topf mit der schäumenden Milch voll. Wenn ich dann eine Zeitlang zugesehen habe, mache ich mich schnell auf den Heimweg.
Heinz Lind, OhligsHeinz Lind, Ohligs

aus: „Mundart und Schule im niederfränkischen Sprachgebiete Deutschlands – Ein Heimatbuch für Freunde der Volkssprache am Niederrhein und im Niederbergischen“ von Karl Paffen und Peter Veumann, erschienen 1930 im Führer-Verlag zu Gladbach-Rheydt, Seite 153

Originaltext in Ohligser Mundart, übertragen ins Hochdeutsche von Marc Real

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