Der Chreßboum

Der Christbaum


Aus Solingen stammt dieses Gespräch über den richtigen Christbaum zur Weihnachtszeit.

Der Text wurde von der Solinger Mundartautorin Ute Schulz verfasst. Sie wurde 1945 geboren und ist seit 1982 in der Solinger Mundartgruppe De Hangkgeschmedden aktiv. Der Auslöser ihres Einsatzes für das Solinger Platt war ein Schreibwettbewerb der Gruppe, bei dem sie als 2. Preisträgerin hervorgegangen ist. Seitdem hat sie bereits an mehreren Büchern mitgewirkt, darunter ihr eigenes unter dem Titel „Utgeliëwert“ – Ausgeliefert. Bei den Hangkgeschmedden pflegt sie zurzeit die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und wirkt federführend an den wöchentlichen Radio-Nachrichten auf Solinger Platt mit: „Wat es dös Weeke em Solig passiert?“


Ute Schulz
Ute Schulz

Damit Sie dieses Gedicht bestmöglich verstehen können, finden Sie rechts neben dem Text in Mundart die hochdeutsche Übertragung.

Der Text wurde freundlicherweise von Frau Ute Schulz zur Verfügung gestellt. Für die gute Zusammenarbeit möchte ich mich herzlich bedanken!


Der Chreßboum

Hännes, hüör ens. Loffer vandag ens noh nem Chreßboum senn.Hans, hör mal. Lass uns heute mal nach einem Christbaum umsehen.
Och et es doch noch Tiet tedöüges.Ach, es ist doch noch Zeit genug.
Viertiëhn Daag. Ech denk, dat wierd knapp.Vierzehn Tage. Ich denke, das wird knapp.
Letzt Johr sinn ech Hilleg Owend ongerweges gewesen. Do gött et nochg emmer welchen.Letztes Jahr bin ich Heiligabend unterwegs gewesen. Da gab es noch immer welche.
Jo, äwwer wat für welchen. Den du do metbraiht häß, de hatt et Boschsterwen alt lang henger sech braiht. Do kriëg men partu keïn Fazunn draan.Ja, aber was für welche. Den du da mitgebracht hast, der hatte das Buschsterben schon lange hinter sich gebracht. Den bringt man unter keinen Umständen mehr in Form.
Mir hät he gefallen. Keerzegrad wor he ouch.Mir hat er gefallen. Kerzengerade war er auch.
Jo, van dinnem Sörger ut. Vam Sofa äwwer, nee.Ja, von deinem alten Sessel aus. Vom Sofa aber, nein.
Nu, jo. Et wor der letzte vam Blosbergs Elsa. On et hät mer ouch nen Spezialpries gemackt.Na ja. Es war der letzte von Elsa Blosberg. Und sie hat mir auch einen Spezialpreis gemacht.
Dat woß ouch weröm. En all den Johren häßte emmer su nen Spezialboum metbraiht. Do es Perdfierowend met. Ech gangk met.Sie weiß auch warum. In all den Jahren hast du immer so einen Spezialbaum mitgebracht. Davon hatten wir jetzt genug. Ich komme mit.
Van mir ut. Wenn de partu wellß. Dann nömm der äwwer en grut Blatt Papier on nen Bleïsteft met.Von mir aus. Wenn du unbedingt willst. Dann nimm dir aber ein großes Blatt Papier und einen Bleistift mit.
Papier? Steft? On wofür sall dat guot sinn?Papier? Stift? Und wozu soll das gut sein?
Na, denn Boum den du söükß, nit te grut, nit te kleïn. Nit te dill on nit te schiddereg, den Boum gött et su nit. Denn mottßte dir ewes molen.Na, den Baum, den du suchst, nicht zu groß, nicht zu klein. Nicht zu dicht und nicht zu mager, den Baum gibt es so nicht. Den musst du dir eben malen.
Du böß der en grut Kallbacken, du. Nen Boum molen. De Ougen mottßte wiet opmaken. Nix angersch.Du bist ja ein Großmaul, du. Einen Baum malen. Die Augen musst du weit aufmachen. Nichts anders.
Met tuoen sühßte jo büs schleiht.Mit geschlossenen Augen siehst du ja etwas schlecht.
Dann häßte die schinns em verliëden Johr beïds faste tuogekniëpen. On de Eesterougen derbeï.Dann hast du die anscheinend im letzten Jahr beide fest zugekniffen. Und die Hühneraugen auch noch.
Geweß nit. Denk ech draan, wat wer gespart hant, gefällt he mer noch hütt guot.Gewiss nicht. Denke ich daran, was wir gespart haben, gefällt er mir noch heute gut.
Och, wo du grad vam Sparen kallß. Nöü Kuogeln on Schüppe mötten wer ouch geilen. On en Schnur met su Minileïhtern.Ach, wo du gerade vom Sparen redest. Neue Kugeln und Lametta müssen wir auch kaufen. Und eine Schnur mit so Minilichtern.
Wiesu elektresche Leïhter? Deïßte keïn Wahskeerzen mieh dren?Wieso elektrische Lichter? Machst du keine Wachskerzen mehr dran?
Vaselwer, doch su kann men den Boum ens aanhann ohn iweg en Oug droppen te hann.Das versteht sich von selbst, doch so kann man den Baum mal beleuchten ohne, dass ewig ein Auge tränt.
Mir gefällt dat nit, äwwer wenn de meïnß. Äwwer nöü Kuogeln? Wir hant die doch noch van früöher. All die Johren wor et wie beï us teheïmen. Lametta, Selwerkuogeln…Mir gefällt das nicht, aber wenn du meinst. Aber neue Kugeln? Wir haben die doch noch von früher. All die Jahre war es wie bei uns zu Hause. Lametta, Silberkugeln…
On Engelshoor. Ech weït. Süch ens, hütt gött et su schön nöü Farwen. Apricot tem Beïspell.Und Engelshaar. Ich weiß. Schau mal, heute gibt es so schöne neue Farben. Apricot zum Beispiel.
Nen Püschprummenboum te Chreßdag? Nee.Einen Pfirsichbaum zum Weihnachtsfest? Nein.
Udder en schön, elegant Grüön….Oder ein schönes, elegantes Grün…
Grüön? Dat wähl ech alt nit. Nee.Grün? Das will ich erst recht nicht. Nein.
Udder ens ganz vürnehm en gries…..Aber mal ganz vornehm in Grau…
Passend beï user Auler? Nee.Passend zu unserem Alter? Nein.
Ganz modern es jo blo.Ganz modern ist ja blau.
Denn senn ech su blo, wenn ech en paar Kloren beïm Praatmaken geschnuowen hann.Den sehe ich so blau, wenn ich ein paar Klare beim Aufbau genascht habe.
Du böß on bliß nen aulfränkschen Knasbüdel. Et geïht der bluß öm de Gröschker.Du bist und bleibst ein altmodischer Nörgler. Es geht dir bloß ums Geld.
Dat deït et äwwer nit. Bluß ech mag sun Fasselowesfarwen en der Tiet nit lieden.Darum geht es aber nicht. Ich mag bloß solche Karnevalsfarben in der Zeit nicht leiden.
Wat häulßte dann van freschen Äppeln on Strühsternen? Do hann ech om Ouler noch en ganze Keste van. Karierde Schlüppe mötten ouch noch irges sinn.Was hältst du denn von frischen Äpfeln und Strohsternen? Davon habe ich auf dem Speicher noch eine ganze Kiste. Karierte Schleifen müssen auch noch irgendwo sein.
Dat es schön.Das ist schön.
On kost nit völl. Dann es et dir noh der Mötschen.Und kostet nicht viel. Dann ist es ganz nach deinem Sinn.
Denk doch draan, wat wer derbeï sparen können. Dat können wer dann an den Chreßtekengkern aanlegen.Denk doch daran, was wir dabei sparen können. Das können wir dann in die Christkinder anlegen.
Dat mag leïhte. Hüör ens, wir sind doch üöwereïn kuomen, us nix mieh te gewen. Offwall, ech hann do su nen netten kleïnen Brilanntreng gesenn. On wenn wer den aplatz Kuogeln geilen? Et Schleïhtße wör dat nit.Was soll das bringen? Hör mal, wir sind doch überein gekommen, uns nichts mehr zu geben. Obwohl, ich habe da so einen schönen kleinen Brillantring gesehen. Und wenn wir den statt Kugeln kaufen? Das Schlechtesste wäre das nicht.
Hhm…weïßte wat. Ech glöüf su nen Plüschprummenboum, de köün mer doch gefallen. Morn geilen wer den Krom. Men mott sech ouch ens van jet Nöuem üöwertügen loten.Hmm… weißt du was? Ich glaube, so ein Pfirsichbaum, der könnte mir doch gefallen. Morgen kaufen wir die Sachen. Man muss sich auch mal von etwas Neuem überzeugen lassen.

Dieser Text wurde freundlicherweise von Frau Ute Schulz aus Solingen zur Verfügung gestellt.

Originaltext in Solinger Mundart, übertragen ins Hochdeutsche von Marc Real

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.