Rollbahn Ho-uptstroot

Rollbahn Hauptstraße


Aus Heiligenhaus stammt dieses Gedicht über den dichten Kraftverkehr auf der Hauptstraße und dem Südring.

Das Gedicht wurde von dem Heiligenhauser Industriekaufmann und Autor Hugo Weigel verfasst. Er wurde im Jahre 1922 geboren und ist einer der bekanntesten Mundartautoren in Heljenser Platt. Über viele Jahre leitete er die Plattdeutschen Abende des Geschichtsvereins Heiligenhaus. Im Jahr 2003 ist Hugo Weigel verstorben. Seine Gedichte und Geschichten sind in mehreren Büchern veröffentlicht worden, darunter in den zwei Bänden von „Sag et doch op Platt, dann klengt et nitt su-e hatt.“ Aus dem zweiten Band von 1994 stammt dieses Gedicht.


Hugo Weigel
Hugo Weigel (1922 – 2003)
Bild zur Verfügung gestellt vom
Geschichtsverein Heiligenhaus e.V.

Damit Sie dieses Gedicht bestmöglich verstehen können, finden Sie rechts neben dem Text in Mundart die hochdeutsche Übertragung.

Der Text wurde freundlicherweise vom Geschichtsverein Heiligenhaus zur Verfügung gestellt. Für die Unterstützung möchte ich mich herzlich bei dem Kustos des Museums Abtsküche, Herrn Reinhard Schneider, bedanken!


Rollbahn Ho-uptstroot

Vör Johren hann ech ens jeschriewen
„Us Heljens es en Naulenöhr“.
Ech hann dat waal nitt öwerdriewen
un deit, dat et bauld besser wör!
Vor Jahren hab’ ich mal geschrieben,
dass „Heiligenhaus ist ein Nadelöhr!“
Ich hab’ das wohl nicht übertrieben
und dacht’, daß es bald besser wär!
Doch wenn ech jetz jonn dörch de Stadt
un senn die völlen Autos do,
dann benn ech et ald wi-er satt
un wör völl liewer angerschwo!
Doch wenn ich geh’ jetzt durch die Stadt
und seh’ die vielen Autos da,
dann bin ich es schon wieder satt
und wär’ viel lieber anderswo!
Die Heljenser sind tu beduuren,
die op der Ho-uptstroot sind tu Hus
un ongertöschen Johren lu-eren,
dat met dem Krach es endlech Schluß!
Die Bürger sind echt zu bedauern,
die auf der Hauptstraß’ sind zu Haus
und dort bereits seit Jahren lauern,
dass mit dem Krach ist’s endlich aus!
Völl Dusend Autos, gru-at un kle-in,
die rattern he-i de janzen Dag.
De Krach, de je-it dörch Mark un Be-in
wie Rommele-i un Hamerschlag!
Viel Tausend Autos, groß und klein,
die rattern hier den ganzen Tag.
Der Krach, der geht durch Mark und Bein
wie Rommelei und Hammerschlag!
Met Jas un Qualm wäd he-i die Loft
janz onjesongd un mi-e als schleit.
Dat es ne rechteg fiese Doft,
de us die Autos hannt jebreit.
Mit Gas und Qualm wird hier die Luft
ganz ungesund und mehr als schlecht.
Das ist ein richtig fieser Duft,
den uns die Autos dort gebracht.
Well man die Stroot ens öwerqueren,
dann mot man an der Ampel stonn.
Man darf sech dann o-uch nit beschweren,
wäd man jeschubst be-im röwerjonn.
Will man die Straße überqueren,
dann muß man an der Ampel steh’n.
Man darf sich dann auch nicht beschweren,
wird man geschubst beim Rübergeh’n.
Waggons, die rollen he-i vörbe-i,
met twenteg und met dotteg Tonnen.
De rennste Rollbahn hannt wir he-i;
man süht mer Autos en Kolonnen!
Waggons, die sieht man rollen hier
mit zwanzig und mit dreißig Tonnen.
Die reinste Rollbahn haben wir;
man sieht nur Autos in Kolonnen!
Jenau wie use Ho-uptstroot he-i
es o-uch de Südring emmer voll.
Do es dieselwe Drängele-i,
o-uch do es de Verkehr janz doll!
Genau wie unsere Hauptstraß‘ hier
ist auch der Südring immer voll.
Da ist dieselbe Drängelei,
auch da ist der Verkehr ganz toll!
Wenn die Natur man well jetz schötzen,
die schö-ine Landschaft un die Dieren,
dann kann us dat doch wennig nötzen,
wenn wir us ens vör O-ugen führen,
Wenn die Natur man will jetzt schützen,
die schöne Landschaft und die Tiere,
dann kann uns das doch wenig nützen,
wenn wir uns mal vor Augen führen,
dat wir die Menschen doch verjeten
op Ho-uptstroot un op Südring he-i.
O-uch die well’n lewen aanjemeten
un nitt be-i Krach un Qualmere-i!
dass wir die Menschen doch vergessen
auf Hauptstraß’ und auf Südring hier.
Auch die woll’n leben angemessen
und nicht bei Krach und Qualmerei!
Die he-i be-i us dat Sagen hannt,
die sallen endlech loten jonn!
Ech sinn do werklech ens jespannt!
De Planong mot doch waal bauld stonn!
Die hier bei uns das Sagen haben,
die sollen endlich lassen gehen!
Ich bin doch wirklich mal gespannt!
Die Planung muß doch wohl bald stehen!

aus: „Sag et doch op Platt, dann klengt et nitt su-e hatt! – Gedichte in Heljenser Platt – Band II“ von Hugo Weigel, erschienen 1994, herausgegeben vom Geschichtsverein Heiligenhaus e.V und dem Kulturamt der Stadt Heiligenhaus, Seiten 15 bis 17

Originaltext in Heiligenhauser Mundart, übertragen ins Hochdeutsche von Hugo Weigel

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