Das Kettwiger Nau


Aus Kettwig stammt das Lobesgedicht über den Kettwiger Gruß „Nau“. Es wurde, wie das niederdeutsche „Moin“ oder das oberdeutsche „Servus“ als universelles Grußwort zur Begrüßung und zur Verabschiedung eingesetzt.

Der Kettwiger Dichter Ernst Eumann verfasste dieses Gedicht im Jahre 1940. Der Kettwiger Heimatforscher Günter Voss nahm es in seine mundartliche Sammlung „Nau! Meester Ihlig“ auf, die 2008 erschienen ist. In dieser präsentiert er verschiedene Zeugnisse der Kettwiger Mundart nördlich der Ruhr und der Berschener Mundart aus Kettwig vor der Brücke und Laupendahl südlich der Ruhr.

Herr Voss hat mir diese Texte freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken.

Damit Sie diese Geschichte bestmöglich verstehen können, finden Sie rechts neben dem Text in Mundart die hochdeutsche Übertragung. Eingesprochen wurde das Gedicht von Marc Real.

Dat Kettwigsche Nau

Dat Wöatschen „Nau“, dat höat man döck,
Wenn Kettwiger tesahmen stonnt;
Oder kömmt er einen Besök,
De fröher Johren hie gewonnt,
De röpt dann „Nau“ als e-schtes Woat,
Trefft he er einen, de he kennt,
Trotzdem he sich em fremden Oat
All arg dat Hoachdütsch angewendt.
Das Wörtchen „Nau“, das hört man oft,
Wenn Kettwiger zusammen steh’n;
Oder kommt einer zu Besuch,
Der in früheren Jahren hier gewohnt hat,
Der ruft dann „Nau“ als erstes Wort,
Wenn er einen trifft, den er kennt,
Obwohl er sich am fremden Ort
voll Mühe Hochdeutsch angewöhnte.
„Nau“ eß en Woat, äck Kettwigsch Platt,
Man kann domet jo ganz völl seggen:
Wie ge-iht et, hesse Glöck gehatt
Oder hesse wat om Herzen leggen?
Wat makse söß? Wie ste-it et dann?
Wie ge-iht et die em allgemeinen?
Bösse verhierot on seit wann?
Wat maken newenbie din Kleinen?
„Nau“ ist ein echtes Wort in Kettwiger Platt,
Man kann hiermit vieles aussagen:
Wie geht es, hast Du Glück gehabt,
Oder hast du etwas auf dem Herzen liegen?
Was machst du sonst? Wie steht es denn?
Wie geht es dir im Allgemeinen?
Bist du verheiratet und seit wann?
Was machen nebenbei deine Kleinen?
Völl mea noch klenkt das Wöatschen „Nau“,
Wenn du es ene Fremde böß;
Höas du dat Woart, merks du genau
Datt hie noch einen ut din Heimat eß.
Wie schöan on nett eß dat,
Wenn du din Heimatsprok terbutten höas;
Röpt einer „Nau“ op Kettwigsch Platt,
Dann föhls du die als of du terhussen wöas.
Noch besser klingt das Wörtchen „Nau“,
Wenn du in der Fremde bist;
Hörst du das Wort, merkst du genau
Dass hier noch einer aus der Heimat ist.
Wie schön und nett ist das
Wenn du deine Heimatsprache dort draußen hörst;
Ruft einer „Nau“ auf Kettwiger Platt,
Dann fühlst du dich als wenn du zu Hause wärst.
Doch mancher, de ein Penn em Kopp,
De kann us Sprok ne mear begriepen,
De nemmt bloß Gespräche op Hoachdütsch op,
Wenn auk verdre-iht, on sieß met Striepen.
Dröm freu die dinner Modersprok,
Zwar können wie Hoachdütsch ne entbeahren,
Doch wenn du riek wetz on auk noch soa klok,
Uß Platt, dat darf se nie verleahren.
Doch mancher, der einen Pinn im Kopf hat,
Der kann unsere Sprache nicht mehr bergeifen,
Der nimmt bloß noch Gesopräche auf Hochdeutsch auf,
Wenn auch verdreht, und durchsetzt mit Streifen.
Drum freue dich deiner Muttersprache,
Zwar können wir Hochdeutsch nicht entbehren,
Doch wenn du reich wirst du auch noch so klug,
Unser Platt, das darfst du nie verlernen.

aus: „Nau! Meester Ihlig, Geschichten in Kettwiger und Vor der Brücker Platt“ von Günter Voss, erschienen 2008 im Selbstverlage des Autors zu Essen-Kettwig, Seiten 8 und 9

Originaltext in Kettwiger Mundart, übertragen ins Hochdeutsche von Günter Voss


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