Bold ham mer Kärmes em Dörp

Bald haben wir Kirmes im Dorf


Aus Angermund berichtet diese Erzählung, wie sich ein Haushalt für die bevorstehende Kirmes herausputzt.

Im Jahre 1930 wurde dieser Text in das Buch „Mundart und Schule im niederfränkischen Sprachgebiete Deutschlands“ aufgenommen und dient als Beispiel für das Angermunder Platt.

Geschrieben wurde diese Geschichte vom Angermunder Schüler Joseph Schenk am Anfang des 20. Jahrhunderts. In einigen Schulen der preußischen Rheinprovinz wurde es guten Schülern gestattet, auch mundartliche Aufsätze zu verfassen.

Dazu führen die Autoren Paffen und Veumann aus: „Wir haben Dialektaufsätze im 8. Schuljahr stets nur als Belohnung tüchtigen und strebsamen Schülern gestattet, selbstverständlich nur solchen, die in der hochdeutschen Rechtschreibung so sicher und sattelfest geworden waren, daß sie nicht viel mehr zu gewinnen und vor allem – und das ist ja der von Gegnern angeführte Hauptgrund gegen das Schreibenlassen von mundartlichen Stoffen – nichts zu verlieren hatten. […] Nie war die Freude größer, und nie haben solche Schüler lieber ihre Hausaufgaben angefertigt, als gerade dann, wenn ein mundartliches Thema nach freier Wahl zur schriftlichen Bearbeitung anheimgestellt wurde.“

Damit Sie diese Erzählung bestmöglich verstehen können, finden Sie rechts neben dem Text in Mundart die hochdeutsche Übertragung.

Bold ham mer Kärmes em Dörp

Bold ham mer Kärmes, do es noch allerhand to maake. Moder es all am Husputz dran. Och Vader hätt de Häng voll Arbeet. Tuesch söckt hä de olde Kroem tesame. Wer Jonges fahre dat Gerömpel met de Bottkar en dä Kißkull. Jetz bekickt dä Vader sech et Hus, off noch alles en Oeder es. Hätt hä en kapoddige Stell gefonge, dann mäckt hä dä Spieß tereit. Jiedes Löckske wüet togeklätscht on glattgestrieke. Dann lött hä et drüge. Es die Arbeet vorbei, dann kömmt die angere dran. Bald haben wir Kirmes, da ist noch allerhand zu machen. Mutter ist schon am Hausputz dran. Auch Vater hat die Hände voller Arbeit. Zuerst sucht er den alten Kram zusammen. Wir Jungen fahren den Sperrmüll mit dem Pferdewagen in die Kiesgrube. Jetzt beschaut der Vater sich das Haus, ob noch alles in Ordnung ist. Hat er eine kaputte Stelle gefunden, dann macht er den Mörtel zurecht. Jedes Löchlein wird zugestopft und glatt gestrichen. Dann lässt er es trocknen. Ist die eine Arbeit vorbei, dann kommt die nächste dran.
Glich drop geht hä ant Kalkloek. Do kritt hä sech e betsche Kalk herut. Dat deet hä en ene Emmer on schött jett Water dobee. Domet dat ävver nit to witt wüet, deet hä noch e betsche Blö drenschödde. Jetz deet hä dat ronkrühe. Dä Wittquaß es och schon fäedig. Met Emmer on Quaß geht hä vörr dä Giewel on fängt an te kälke. Wenn alles fäedig es, könne die Kärmesgäst kueme.Gleich darauf geht er zur Kalkgrube. Da nimmt er sich ein bisschen Kalk raus. Diesen gibt er in einen Eimer und schüttet etwas Wasser dazu. Damit es aber nicht zu weiß wird, schüttet er noch ein wenig Blau hinein. Jetzt rührt er das rundherum. Der Weißquast (Maurerpinsel) ist auch schon bereit. Mit Eimer und Quast geht er vor den Giebel und fängt an, zu kälken. Wenn alles fertig ist, können die Kirmesgäste kommen.
Joseph Schenk, 1. KlasseJoseph Schenk, 1. Klasse

aus: „Mundart und Schule im niederfränkischen Sprachgebiete Deutschlands – Ein Heimatbuch für Freunde der Volkssprache am Niederrhein und im Niederbergischen“ von Karl Paffen und Peter Veumann, erschienen 1930 iim Führer-Verlag zu Gladbach-Rheydt, Seiten 147 und 148

Originaltext in Angermunder Mundart, übertragen ins Hochdeutsche von Marc Real

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