Aus Velbert wurde dieses Gespräch zwischen von zwei Schmieden auf der Landstraße nach Elberfeld überliefert.

Im Jahre 1854 wurde es vom Kölner Sprachforscher Johann Matthias Firmenich-Richartz als Beispiel für die in Velbert gesprochene Mundart in die umfangreiche Sammlung deutscher Dialekte „Germaniens Völkerstimmen“ aufgenommen.

Damit Sie dieses Gespräch bestmöglich verstehen können, finden Sie rechts neben dem Text in Mundart die hochdeutsche Übertragung. Firmenich hat lange Vokale zudem nicht mit einem Dehnungsstrich angezeigt, sondern verdoppelt („a-“ -> „aa“).

Gespräch zwischen zwei Schmieden

Kobes: „Dag, Welm!“Jakob: „Tag, Wilhelm!“
Welm: „Dag, Kobes!“Wilhelm: „Tag, Jakob!“
Kobes: „Jonges, wat es et warm, de Schwet drift enen üwer de Puckel, on dat Hämmen es mech flatschnaat am Lif. Wo böst do hen gewest?“Jakob: „Jungs, was ist das warm, der Schweiß läuft mir über den Rücken und Hemd ist mir klatschnass am Leib. Wohin warst du unterwegs?“
Welm: „Ech han entem Remsched geliwert nom Kopmann Scharf; de hatt mech nigen Dutzend Kastenschlöt bestault. Hest du ooch geliwert?“Wilhelm: „Ich habe nach Remscheid geliefert zum Kaufmann Scharf. Er hat von mir neun Dutzend Kastenschlösser bestellt. Hast du auch ausgeliefert?“
Kobes: „Jo, ech sin entem Kruanenberg gewest on han en ganze Dreit Schlöt om Lif gehat.“Jakob: „Also, ich bin in Kronenberg gewesen und habe eine ganze Tracht Schlösser bei mir gehabt.“
Welm: „Ja, men mot sech, min Sial! Plogen Dag on Neit, on men het doch knapp soo völl, dat men sech en Pöttschen Kloren drenken kann.“Wilhelm: „Ja, man muss sich, bei meiner Seele! plagen Tag und Nacht und man hat doch nur knapp so viel, dass man sich einen Humpen voll Klaren trinken kann.“
Kobes: „Du bes wall Reit, die Koplütt knipen enen, wo se können, on bi jeder Kiar wellen se afträcken, dat se noch en Fläsch Win miar drenken können.“Jakob: „Du hast wirklich Recht, die Kaufleute schröpfen einen, wo sie können, und bei jedem Mal wollen sie mehr für sich rausschlagen, damit sie noch eine Flasche Wein trinken können.“
Welm: „Ja, men mot sech dren schecken, on noch frua sin, wänn men alt satt Bruat te eten het. Et wät noch wall ens en anger Tit kumen.“Wilhelm: „Ja, man muss sich abplagen und noch froh sein, wenn man genug Brot zu essen hat. Es wird hoffentlich noch mal eine andere Zeit kommen.“

aus: „Germaniens Völkerstimmen, Sammlung der deutschen Mundarten in Dichtungen, Sagen, Märchen, Volksliedern“ von Johannes Matthias Firmenich-Richartz, Erster Band, erschienen 1854 in der Schlesinger’schen Buch- und Musikhandlung zu Berlin, Seite 415

Originaltext in Velberter Mundart, übertragen ins Hochdeutsche von Marc Real


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.